Kooperationsnetz prospektive Arbeitsforschung (KOPRA)
Wolfgang Dunkel, Dieter Sauer, ISF
Finanzierung und Laufzeit
BMBF 2002-2005
Zielsetzung
Das Kooperationsnetz prospektive Arbeitsforschung ist Bestandteil der BMBF-Förderinitiative „Zukunftsfähige Arbeitsforschung“. Ziel dieser Initiative war es, einen Selbstinnovationsprozess in der deutschen Arbeitsforschung anzuregen. Es ging also darum, dass Institutionen der Arbeitsforschung selbst kooperativ daran arbeiten, diese zukunftsfähiger zu machen.
Ausgangspunkt für den spezifischen Beitrag, den das Projekt KoprA für die angestrebte Erneuerung der Arbeitsforschung erbringen sollte, war die Einsicht, dass sich aus einzelnen neuen Entwicklungen von Arbeit, wie z.B. der Zunahme der Informations- und Wissensarbeit oder prekärer Beschäftigungsverhältnisse, keine generellen Prinzipien des Wandels von Arbeit bestimmen lassen. Dazu sind die Entwicklungslinien zu heterogen, die jeweiligen Ursachen zu divergent und die Wirkungszusammenhänge zu verflochten. Auch für eine zutreffende Bewertung der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung etwa über die Auflösung der Normalarbeit, die Entstehung neuer Managementkonzepte oder die Formen selbstverantwortlicher Arbeit ist eine differenzierte Analyse von Entwicklungstrends erforderlich, die an mehreren zentralen Elementen des Wandels von Arbeit anzusetzen hat. Diese Ausgangsüberlegungen hatten für KoprA inhaltliche und projektorganisatorische Konsequenzen.
Inhaltliche Konsequenz: Um die Dynamik und Ambivalenz des sich real vollziehenden Strukturwandels abbilden zu können, werden in KoprA fünf zentrale Veränderungsfelder der Arbeitswelt und deren wechselseitige Verschränkung beschrieben. Diese Veränderungsfelder machen sich an aktuellen Prozessen der Informatisierung, der Tertiarisierung, der Globalisierung, der unternehmensübergreifenden Netzwerkbildung sowie der Individualisierung fest. Die Wandlungsprozesse gehen mit dem Entstehen neuer Arbeitsformen einher.
Projektorganisatorische Konsequenz: Das Kooperationsnetz prospektive Arbeitsforschung ist als offenes Netzwerk angelegt, das sozialwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche, psychologische und andere Disziplinen miteinander verbindet und sich beständig ausweitet wie auch intern ausdifferenziert.
Die Arbeit innerhalb des Netzwerkes ist auf kategoriale Neubestimmungen für die Analyse von Arbeit, die Entwicklung und Erprobung neuer interdisziplinärer Methoden und Arbeitsweisen, die Revision herkömmlicher Kriterien zur Beurteilung „humaner“ Arbeit und eine Reformulierung arbeitsbezogener Politikansätze ausgerichtet.
Dieser Zielsetzung wurde themenspezifisch in fünf Kooperationsplattformen nachgegangen: informatisierte Arbeit, interaktive Arbeit, interkulturelle Arbeit, verteilte Arbeit und entgrenzte Arbeit:
In den fünf Plattformen wurden jeweils Netzwerke von Personen und Institutionen, die mit Arbeitsforschung befasst sind, aufgebaut. Dabei wurden verschiedene Formen der Kooperation realisiert, etwa die Erstellung von Expertisen, gemeinsame Publikationen, Workshops unterschiedlicher Größe, Zusammensetzung und Vorgehensweise sowie internetbasierte Formen der Zusammenarbeit. Aus diesen Kooperationen gingen zahlreiche Publikationen hervor.
Das Kooperationsnetz prospektive Arbeitsforschung war in seiner Komplexität und seiner Ausrichtung eine ungewöhnliche Konstruktion: Weder definierte sich das Projekt über die Konzentration auf eine bestimmte Branche noch über die bekannten Prozesse und Strukturen empirisch ausgerichteter Forschungsprojekte. Weder war es eine ausschließlich akademische Angelegenheit, die auf Theoriearbeit fokussiert gewesen wäre, noch ein ausschließlich auf Arbeitsgestaltung und Praxistransfer gerichteter Versuch, neue und innovative Wege zu gehen. Das Charakteristikum des Kooperationsnetzes bestand vielmehr darin, das ‚Auseinanderstreben’ der einzelnen Gegenstandsbereiche zuzulassen und zugleich den Versuch zu machen, sie theoretisch wieder zusammenzubringen und ‚einzuholen’. Einerseits bedeutete dies, die Komplexität des Wandels in der Arbeit zu respektieren und das Kooperationsnetz auch entsprechend komplex anzulegen: Dadurch sollte konzeptuellen Erweiterungen und methodischen Experimenten interdisziplinärer Forschung Raum gegeben werden. Jeweils bezogen auf unterschiedliche Bereiche sich verändernder Formen von Arbeit sollten sie dazu beitragen, manche Blindstelle der klassischen Arbeitsforschung zu beseitigen. Gerade durch die Abbildung dieser Komplexität aber sollte es der Arbeitsforschung andererseits auch wieder möglich werden, sich auf die Suche zu machen nach dem konzeptuellen Kern im Prozess des Formwandels von Arbeit, nach dem Allgemeinen im Besonderen. Und schließlich sollte diese theoretische Reflexion wiederum den Weg frei machen für neue Formen der Bewertung und Gestaltung humaner Arbeit.
Veröffentlichungen
Sauer, Dieter (2005): Arbeit im Übergang - Eine Standortbestimmung, VSA, Hamburg.
Zahlreiche weitere Publikationen dieses Projektes finden sich unter www.isf-muenchen.de.