Teleheimarbeit
Neue Organisationsformen der Erwerbsarbeit und deren personale Aneignung
Dipl.-Soz. Frank Kleemann, M.A.
TU Chemnitz, Industrie- und Techniksoziologie
frank.kleemann@phil.tu-chemnitz.de
Finanzierung und Laufzeit
Eigenfinanziert, TU Chemnitz
1996 - 2004Zielsetzung
Das explorativ angelegte Promotionsvorhaben untersuchte die Auswirkungen von Telearbeit auf Arbeitsweise und Alltagsorganisation der Betroffenen. Unter "Telearbeit" werden Formen von Erwerbsarbeit verstanden, die räumlich (zumindest teilweise) außerhalb des Betriebes und mit IuK-technischer Unterstützung und Verbindung zum Betrieb geleistet werden. Im Hintergrund steht die theoretische Frage, wie Personen ihre Arbeit und ihren Alltag in solchen neuartigen, räumlich und zeitlich "entgrenzten" Arbeitsformen organisieren und welche Auswirkungen dies auf die gesellschaftliche Formung von Erwerbsarbeit insgesamt hat.
Aufgrund ihrer höheren Freiheitsgrade der Arbeitsorganisation und ihrer technischen Vermitteltheit stellt Telearbeit höhere Anforderungen an die Arbeitsausführung. Ebenso steigen die Anforderungen zur Alltagsorganisation, indem durch Telearbeit die zeitliche und räumliche Trennung von "Arbeit" und "Leben" verringert bzw. aufgelöst wird und Fremdstrukturierungen des Alltags durch feste Anwesenheitszeiten im Betrieb entfallen. In subjektorientierter Perspektive ergeben sich daraus zwei forschungsleitende Fragen: 1) Wie bewältigen arbeitende Personen die spezifischen Anforderungen der Telearbeit, und über welche spezifischen Kompetenzen und Fähigkeiten zur Selbstorganisation in der Arbeit verfügen bzw. entwickeln sie im Verlauf des Telearbeitens? 2) Wie koordinieren telearbeitende Personen ihre Arbeit im Wechselspiel mit ihren übrigen Lebensbereichen?
Empirisches Vorgehen / Methode
Methodisch basiert das Projekt auf themenzentrierten, narrationsorientierten Tiefeninterviews mit Telearbeiterinnen und Telearbeitern, die nach dem Prinzip des theoretical sampling (Glaser / Strauss) in unterschiedlichen Tätigkeits- und Beschäftigungsformen sowie Qualifikationsniveaus erhoben werden.
Ergebnisse
Die Erhebung wurde im Februar ‘98 abgeschlossen. 34 Interviews mit TelearbeiterInnen in verschiedenen Organisationsformen von Telearbeit (alternierende Teleheimarbeit abhängig Beschäftigter, mobile Telearbeit, freiberufliche Telearbeit) liegen vor.
Veröffentlichungen
Frank Kleemann / G. Günter Voß (1999): Telearbeit und alltägliche Lebensführung, in: André Büssing/ Hartmut Seifert (Hg.), Die "Stechuhr" hat ausgedient, Berlin: edition sigma, S.147-172
Frank Kleemann ( 2005): Die Wirklichkeit der Teleheimarbeit. Eine arbeitssoziologische Untersuchung. Berlin: edition sigma.